Dienstag, 11. November 2008

Numerophob I

Die Pforten aufgestoßen
heiße Luft schießt uns entgegen
weiter vorn von großen

Zahlen dieser Raum erfüllt
zuviel Angst sich zu bewegen
numerische Fratze sich enthüllt

höhnisch auf uns niederlacht
zitternd Papier auf Tische legen
Alptraum ohne Nacht

bebrillte Marionette tanzt mit ihr
das Innere Tod, kein Regen
kotzt uns die Logig aufs Papier

doch folge meinem Rat
willst du die Angst ablegen
denk an "Sigmahutquadrat"

Freitag, 7. November 2008

mein goldener Herbst

Na los trau dich, nicht so scheu
deine Knospe öffnet sich
die Sonne, der Wind , alles ganz neu
schau auf und wachse für mich

Bist das neue am alten Baum
Leben wo alles verdorren war
noch sieht man dich kaum
genau wie im letzten Jahr


Bald wächst du, bist satt und grün
du atmest, schützt uns vor Regen
Schau wie bunt die andern Äste blühn
lass dich sanft vom Wind bewegen


Bald wird es finster, fängst du an zu strahlen
so kraftvoll und warm dein bunter Schimmer
Deine Schönheit auf Leinwand nicht zu malen
dich nun so betrachten könnt ich für immer


Bald schon sind manche Tage ins Land gegangen
treue Zeit, warten auf Dank vergebens
Frühling Sommer Herbst sind vergangen
nimmst Abschied
Vom Stammbaum deines Lebens


Eine sanfte Brise trägt dich hinfort
wohin mag es gehen, wo mag es sein
an einen andern fremden Ort
zwischen Wolken, Richtung Sonnenschein


Bald wirst du zu Boden schweben
auf gefallene Haufen deiner Art
Über dir die Sonne, was für ein Leben
Es geht zu Ende, du weißt es naht

Bald wirst du nie wieder so farbenfroh sein
wirst knochig, trocken und braun
wirst vergehen zwischen den Andern, allein
heute so bunt, morgen das Grau`n


Ein Blick zurück, was hast du gesehn
Menschen, Tiere, Freund und Leid
was ist in der Zeit alles geschehn
doch nichts bleibt für die Ewigkeit


Da kommen von der Seite nunmehr
eine Schaar Kinder angerannt
springen, schreien, toben umher
nehmen den nächsten Haufen zur Hand


Sie werfen die Blätter hoch in die Luft
betrachten das Spiel von rot goldnem Regen
Einer sogar tritt sie weg, dieser Schuft
Lasst doch den Todgeweihten ihren Segen

Und schon sind die Rabauken wieder fort
verstreut, zerknittert, gar zerrissen
welch ein Chaos an deinem letzten Ort
Die Kinder von heute, ganz ohne Gewissen


Oh nein, einer dreht sich herum
läuft zurück, zu deinem Haufen gewandt
bückt sich und knied sich stumm
tastet und sucht mit ruhiger Hand


greift dich sacht bei deinem Stil
trennt dich vom Haufen ganz behut
was hat er vor was ist sein Ziel
doch du spürst -alles wird gut-


Sieh, was er nun mit dir macht
Wie er dich beäugt, dich dabei dreht
Er staunt über deine farbige Pracht
Es scheint als ob das Kind dich versteht


Behutsam trägt er dich nach Haus
was passiert weißt du nicht genau
Er holt ein dickes Buch aus dem Regal heraus
schlägt es behände auf, die Seiten ganz grau


Er bettet dich zwischen das Papier
jetzt ist`s vorbei , die letzte Schlacht
er schließt das Buch, dunkel wird es dir
dein letzter Schlaf in ewiger Nacht


Doch was ist das, sieh da ein Licht
eben noch gefangen in Dunkelheit
Kann das sein, glaubst es selbst nicht
So unverhofft erwacht und befreit


Du fühlst dich gewappnet gegen die Zeit
nie wirst du häßlich, braun oder grau
so zu verbleiben bist du bereit
sieht dich um wo du bist, schau

im Heft des Jungen eingeklebt
so dass du dich niemals verfärbst
so ist es wenn man ewig lebt
und über dir steht "mein goldener Herbst"